Über mich
Mein Name ist Ronja Herzberg, ich bin Ende dreißig, schwer traumatisiert und habe nun auch noch Krebs.
Ich könnte Ihnen jetzt etwas von meinen Hobbys erzählen, die ich in Wirklichkeit kaum habe, oder über Dinge, die ich gerne mache. Aber das fühlt sich für mich falsch an.
Doch eine Sache sollten Sie wissen: Ich habe einen sehr sarkastischen und schwarzen Humor. Er hat mir schon immer geholfen zu überleben. Ich kann über die dunkelsten Dinge lachen. Aber manchmal bleibt auch mir das Lachen im Hals stecken.
Und so schlage ich den Bogen zu meinen Projekten.
Ich lebe seit meinem sechsten Lebensjahr immer wieder mit dem Hilfesystem. Damals waren es das Jugendamt, Heimerzieher*innen, Mitarbeiter*innen aus der Jugendhilfe und Jugendamtsmitarbeiter*innen. Später waren es Mitarbeiter*innen der Einzelfallhilfe und des Ambulanten Einzelwohnens.
Viele Jahre lang sahen sie nicht, was mit mir geschah oder wie es mir ging. An vielen Stellen wurde die Hilfe zur Krise. Eine Gemeinsamkeit war jedoch, dass sie mir nicht glaubten. Sie sprachen mir meine Traumafolgestörung und meine Traumatisierungen ab, bestanden darauf, dass ich jetzt »endlich mal funktionieren soll«, oder sagten, dass sie Angst hätten, mein Trauma könne auf sie übergehen.
Erst in den vergangenen eineinhalb Jahren ist mir durch eine Freundin bewusst geworden (übrigens liebe Grüße an dich), was all das mit mir macht, welche Kluft es in meiner Seele hinterlassen hat und dass eine der daraus folgenden Konsequenzen ist, dass ich mir selbst noch viel weniger glauben kann.
Im November 2025 habe ich angefangen, ein Buch mit dem Arbeitstitel »Wo Hilfe zur Krise wird und Menschlichkeit es heilt« zu schreiben.
Es ist eine Reise, die versucht zu verstehen, was ich damals gebraucht hätte und wie die Situationen wirklich waren. Es ist keine Anklage, kein Vorwurf und keine Aussage über Schuld. Aber es ist ein Versuch, zu sensibilisieren und darauf zu schauen, was schwer traumatisierte Kinder und Frauen in der unterstützenden Arbeit brauchen.
Und es ist ein Versuch, mir selbst neu zu begegnen und zu verstehen, was ich alles geleistet habe.
Das Buchprojekt muss eine Weile pausieren, nachdem ich im Mai 2026 meine Krebsdiagnose erhalten habe. Sie zieht mir den Boden unter den Füßen weg, und bis heute ist er noch nicht wieder da.
Ich schwimme und muss mir Dinge suchen, die mir helfen, mein ohnehin schon traumatisiertes Nervensystem zu beruhigen und aus dieser schrecklichen Ohnmacht herauszukommen. Ich versuche, mir Kontrolle zurückzuholen, im Sinne von Dingen, die ich selbst tun und mitgestalten kann.
Denn jede Untersuchung ist durch meine Traumafolgestörung eine zusätzliche Belastung. Hinzu kommt die Ungewissheit: Wie geht mein Leben weiter? Wie komme ich durch diese Ungewissheit?
Daraus entwickeln sich kleine Ideen, die mir helfen, schwierige Situationen rund um Krebs und Trauma zu überstehen. Sie geben mir ein Stück Handlungsspielraum in einer Situation zurück, die größtenteils außerhalb meiner Kontrolle liegt. Daraus entsteht die Reihe »Wenn’s scheiße läuft«.
Mit »Zwischen Erfahrung und Begegnung« möchte ich meinen Erfahrungen einen Ort geben, der nicht nur zwischen Buchdeckeln stattfindet. Einen Ort, an dem nichts schöngeredet werden muss und an dem trotzdem etwas entstehen darf: Begegnung zwischen Betroffenen und Helfer*innen, ohne Anklage, aber mit Menschlichkeit.